Sonntag, 6. Dezember 2009

You only ever had her When you were a fever

Das Tragische an meinen leichten Worten ist, dass sie nur dann fliessen können, wenn Melancholie meine Hände an die Tastatur fesselt. Jetzt gerade geht gar nichts einfach so, es scheint fast als ob ich niemals auch nur einen kohärenten Satz zustande gebracht hätte in meinem Leben. Vielleicht liegt es daran, dass ich Zeit meines Lebens nie irgendetwas schreiben musste. Ausser perfide Deutschaufsätze. Was mich jetzt zur schmerlichen Feststellung führt, dass ich jetzt nur mühselige zusammengesetzte Worte finde, die weder Herzblut haben, noch einem tieferen Sinn dienen. Glück nährt die Kunst nicht. Es ist immer der Schmerz, die Angst, die kühle Einsamkeit die uns erschaffen lässt. Und auch wenn unsere Hände einmal aus Glück etwas bauen sollten, es wird niemals die schwere, warme Schönheit dessen besitzen, was wir im Leiden schufen.

Samstag, 21. November 2009

FUCKING BRILLIANT BIRTHDAY PRESENT


vergrössern, lesen und evt. verstehen warum

THANK YOU SOOO MUCH

Donnerstag, 19. November 2009

So what's the use between death and glory?


Dienstag, 10. November 2009

i love you so much i'm dying for you.


Gibt es ein schöneres Motiv als Wasser, das die Liebe symbolisieren könnte?

Mittwoch, 4. November 2009

lomographie. die erste.




kodak ultra. single use camera

Sonntag, 1. November 2009

nur die erste wahrheit ist die richtige.

mademoiselle schlendert wie so oft in ihrem leben durch die straßen von paris (wir ignorieren die tatsache, dass es erst das zweite mal dieses jahr und das vierte mal in ihrem leben ist, dass sie sich in paris befindet) und macht sich auf den weg hoch in den norden paris' zu montmartre um sich vollkommen dem lebensstil einer gewissen anderen mademoiselle, der mademoiselle poulain oder mittlerweile sogar madame, madame quincampoix hinzugeben (nicht dass mademoiselle sich, wie der rest ihrer generation, bisher der hingebung dieses lebensstils verweigert hätte; die emphase liegt auf VOLLKOMMEN).
ihre eltern sitzen derweil in einem restaurant in montparnasse und empfinden dieses attribut ihrer tochter, das eher den charakterzügen eines cinephiles der 70er jahre gleicht als einem intelligenten mädchen aus dem deutschen bürgertum (der vater lächelt ungezwungen und deutet mit dem stolz eines jeden, der einen sticker seiner heimatflagge am auto anheftet, auf den migrationshintergrund seiner kleinen québécoise hin) , als grenzwertig ridikül, und sehen es wahrhaftig nicht ein, warum man sich diesen unglaublich anstrengenden weg machen sollte, (die mutter schaut in diesem moment verzweifelt auf den satz ihrer kaffeetasse, den niemand zu lesen vermag) um von einem wundervollen restaurant in unmittelbarer nähe des boulevard edgar durch ganz paris zu einem anderen, überhaupt nicht wundervollen café zu schlendern, nur weil dort irgendeine filmfigur gearbeitet haben sollte. abgesehen davon, dass mademoiselle sich innerlich auf ihren gang ins deux moulins, den sie dokumentieren und ausreichend zelebrieren wird, vorbereitet, breitet sich etwas ganz anderes in dem inneren ihrer magenhöhle aus.
während sie also von metro zu metro, von arrondissement zu arrondissement und durch die sich ausweitenden und wieder enger und unübersichtlicher werdenden blutgefäßen von straßen dieser stadt aller städte fließt, blickt sie in die wundersam entrückten gesichter der franzosen, in die bräune jener familien, die die sprache "prada" beherrschen, und die trübsinnigen augen der japaner, verloren in paris auf der ewigen suche nach einer liebe, die von ähnlicher beständigkeit gezeichnet werden sollte. ein mensch der gegenwart, ein künstler der moderne, ein verfechter der abstraktion hat hier sicherlich nichts zu suchen, denn das einzige was man hier finden kann, ist ein flüssigzäher, untransparenter kitsch, der an den sohlen eines jeden monsieurs und einer jeden madame heften bleibt und den gang durch diese stadt erschwert. er ist von einer solchen schwere, die sich mit dem geruch schrecklich süßer parfums auf die haare, den nacken und die nasenspitze setzt, und sich durch eine dumpfe bewegung eben in der magenhöhle der mademoiselle wiederfindet, sodass sie, bemantelt in saganscher traurigkeit, in das nächste sie kreuzende gesicht (es ist ein mann von circa fünfzig jahren, der in seinem appartment im 16. arrondissement sicherlich zu büchern houellebecqs masturbiert) mit mittlerer lautstärke "bonjour tristesse." seufzt.
mit einem immer langsamer werdenden tempo und einem mittlerweile übergewichtigen herz schleppt sie ihren in künstlichem fell drapierten körper ins deux moulins, dessen hellgelbe beleuchtung mit einem kegelstrahl das in dunkelheit getränkte edward hopper gemälde, das die außenwelt bildet (eine steigende straße, ein berg, eine vermutung auf das auf- und abschwellende lichtermeer von paris, greise, die den sacre coeur hinabsteigen, katzen im abgedunkelten schaufenster einer schneiderei, sterbende blumen in fensterbanktöpfen) sachte schneidet. mademoiselle und ihr körper sind um einige jahrzehnte gealtert, seitdem sie ihre eltern verlassen hat und mit einer kantschen weisheit bohrt sich mit einem mal die frage in sie, warum genau sie sich überhaupt hier befindet; warum sie ihre eltern verlassen hat, warum sie nicht bei ihr sind, oder sie bei ihnen und warum sie immer fortwährend, egal ob zuhause im spießigen deutschland, oder im richtigen zuhause in der bohème des plateau von montréal, oder sogar hier, im kurzen urlaub in paris, vor ihnen wegrennt und ihre verwandtschaft leugnet. dass diese nicht zu leugnen ist, merkt mademoiselle spätestens, als ihr auffällt, nichts dokumentiert zu haben. dies zeugt nicht etwa von vergesslichkeit (wobei die mutter ein sicherlich schlechtes gedächtnis aufweist), sondern von einer überbedenklichkeit, wann denn der richtige moment sei, um loszulegen, und wenn man diesen eben nicht auffinden könne, ließe man diese aktion eben sein (ganz oder gar nicht, prangt als erster philosophischer grundsatz über den köpfen dieser familie). und als mademoiselle durch die hunderten schichten von (eingebildetem, hier gibt es keine kamerafilter) grün und rot und massenanströmungen von blendendem, gelbem licht auf ihre spiegelung in einer verglasten scheibe schaut sieht sie nicht, wie zuvor angenommen, den gartenzwerg des monsieur poulain, nein, sie sieht das profil ihres vaters, das sich uneben wie eine tönung über ihr eigenes erstreckt und es verzerrt.
während sie also die physischen merkmale ihres biologischen erzeugers in ihrem gesicht begutachtet, erklingt in ihren ohren eines der lieder des musikprojekts beirut (man merke an: beirut gilt als das paris des orients), und fühlt sich in eine noch intensivere, noch stärker gelb leuchtende trance einer zwischenwelt versetzt, in der ihr mehr bewusst wird als je zuvor in ihrem leben. egal, wie sehr sie anne aus sagans bonjour tristesse ist, und wie sehr ihre eltern raymond und cécile sind, sie kann die leidenschaft und leichtsinnigkeit, die primitive hingebung für den hedonismus und die lust an der trieberfüllung ihrer eltern zwar verachten, sie kann ihr aber nicht entkommen. berauscht von einem riesigen saxophon, dessen töne in ihr linkes ohr tanzen, fragt sie: wer würde sie denn mehr verstehen als die eigene familie, wenn sie sich wochenlang von fest zu feier zu party tanzt; wer würde sie denn mehr verstehen als die eigene familie, wenn sie sich bis in die morgenstunden von nichtigen tätigkeiten zerstreuen lässt; wer würde sie denn mehr verstehen als die eigene familie, wenn sie aus lustlosigkeit die pflichten schwänzt; wer würde sie denn mehr verstehen als die eigene familie, wenn sie trotz all dieser aussetzer zu der créme de la créme der pflichterfüller gehört--- wer würde es ihr denn mehr gönnen als die eigene familie. wer ist denn genetisch bedingt mehr verantwortlich für dieses glück als die eigene familie.
wer hat ihr diese stadt gezeigt, als sie fünf jahre alt war, wer hat ihr den 18. geburtstag in dieser stadt finanziert, wer hat geschwärmt, geträumt und das französische blut in ihren kreislauf fließen lassen (ja, die eigene familie). wessen lieblingsstadt ist das (ja, die der familie.) und wessen lieblingsstadt ist es noch? (ja, die eigene.)
eingenommen in dem sich beständig ergänzenden kitsch dieser stadt denkt sie zurück an eine verschwommene erinnerung aus der vergangenheit, an ein aufgebautes bild in ihrem kopf: an eine ausstellung der kunstakademie, an die rauminstallation einer gruppe von asiaten, an die hohen weißen decken, an die dreckigen kaffeekocher, an die rosarot bedruckten hausschuhe und an das leuchtend rote schild, das als erster philosophischer grundsatz über den köpfen dieser künstlergruppe prangte:
BLUT IST DICKER ALS WASSER.

Samstag, 31. Oktober 2009

Die Labilität einer Seele

Anscheinend befinde ich mich auf unsicherem Terrain, der Kuchenboden meines Lebens erweist sich als brüchiges Eis. Es gibt da gewisse schwarze Gedanken, sanfte aber dunkle Wellen sind sie. Sie umspülen leicht die Strände um mein Hirn, lassen zarte Muster im Sand. Menschen bauen Dämme gegen sie und vergessen manchmal sogar ihre Existenz. Oder leben wachsam Tür an Tür zu ihnen, ständig wartend auf eine mögliche Überschwemmung. Mein eigenes Verhältnis erweist sich als paranoid. Kaum erlischt das Rauschen der Wellen, zittert es in meinem Kopf. Ich warte jede Minute darauf, dass sie zurückkommen. Irgendwann wird die Spannung zu gross und die Gläser bersten, mit der Decke der Angst über den Kopf gezogen werde ich wild vor Aufregung. Ich bilde mir ein, die Wellen sind da. Doch sind sie in mir nicht Wasser, sondern werden zu Schleim, dickflüssige Massen aus organischen Materialien. Und weil ich denke sie sind da, sind sie da. Sie holen mich ein, ich glaube auf der Flucht zu sein, weit voraus zu sein und doch werden meine Füsse nass. Nun bleibt nichts anderes übrig, als mühselig Schuhe und Socken auszuziehen und sich neue zu suchen. Doch welche Socken? Welche Schuhe? Und wo sind meine Füsse? Meine Realität schwimmt weich gepolstert im Schleim, in meinem eigenen Schleim und gleitet vorbei an Wahrheiten und der Schleim erstickt das Licht der Leuchttürme. Zum Glück ist das hier unter der Decke egal, es ist dunkel und weich, warm und in sich geschlossen. Wenn mir nur nicht die Luft ausgehen würde, wenn es nur einen Weg gäbe den unvermeidlichen Luftzug zu vermeiden, wenn ich nur hier sitzen bleiben könnte. Zusammengerollt und in mich selbst verschlungen warte ich, dass meine Füsse endlich ausbluten, sich selbst rein waschen. Jeder Atemzug wird heiss, ich konzentriere mich auf meinen Herzschlag, auf meine Atmung, auf das Gefühl zwischen meinen Schulterblättern. Es muss möglich sein mit diesem Hauch Luft durchzukommen, die Gedanken zu waschen, Schuhe finden. Gerade als ich meinte die Wunden hätten sich verschlossen brachen die Dämme, an die ich sowieso nie glaubte, aber auf welche ich zählte und der Schleim erfasste mich und durchtränkte die Decke, in die ich eben noch mein Gesicht bohrte. Aber ich kann nicht loslassen, ich habe verlernt das Licht zu sehen, frische Luft zu atmen, also warten wir, Ich und die Gedanken. Ob wir nun ersticken. Ob wir verbluten. Wir sind nicht mehr rein, die Flüsse führen nun das was ich aushustete. Das was mir zum Verhängniss wurde sind nicht Menschen, nicht das Leben, der Wahnsinn. Sondern schlichtweg die Erinnerungen, auch die an welche ich mich so klammerte, die Momente der Totalität, der Anspruch der absoluten Liebe. Alles was mich einst am Leben erhielt, hält nun die Hand auf meinen Mund. Und weil ich sie so liebe, bleiben sie dort.